Wider unseren Erwartungen
kam bei dieser Arbeit nur selten der Fels zum Vorschein. Dennoch war
es an einigen Stellen nicht möglich, tiefer als 30cm zu rigolen.
Dort werden es die Reben später sehr schwer haben. Die Weinbergspfähle
oder Stickel, wie der Winzer sagt, werden wir an diesen Stellen wohl
in Beton gießen müssen um die nötige Standfestigkeit
zu gewähren.
Der allergrößte Teil der Fläche weist glücklicherweise
eine ausreichende Bodenmächtigkeit von mindestens 60cm auf. Der
Boden ist sehr steinig und doch, dank der langen Brache, recht humusreich.
Optimale Voraussetzung für die Erzeugung von großen Weinen,
da die Wuchskraft und Ertragsfreude der Rebe schon durch die natürlichen
Bedingungen stark gebremst wird.
[Dezember 2006]
3. Pflanzung
In Flach- und Hanglagen können die Reben normalerweise recht
einfach maschinell gepflanzt werden, in Steillagen wie dem Halenberg
hingegen sind wir noch immer zur Pflanzung per Hand gezwungen. Dazu
sind ein paar Vorbereitungen nötig:
Zunächst wurde der Weinberg "ausgezeilt". Das bedeutet,
dass festgelegt wird, wie die Rebzeilen später verlaufen sollen,
wie groß der Stockabstand werden soll und wie breit die Zeile.
Wir haben uns zu einer Zeilenbreite von 1,90m und 1m Stockabstand
entschieden.
Wichtig ist jetzt, dass die Zeilen später keinen Seitenhang aufweisen.
Dies würde dazu führen, dass die Arbeitsgeräte, sei
es nun Traktor, Raupe oder, wie in unserem Fall, ein seilgezogenes
Arbeitsgerät all zu leicht seitlich wegrutschen und die Reben
beschädigen würden. Beim Auszeilen ist die Voraussicht also
extrem wichtig.
Weiter geht es jetzt mit dem Einschlagen der Weinbergspfähle
oder "Stickel". Natürlich alles per Hand...

Rund 650 Stück
wurden so auf die Fläche verteilt.
Nachdem diese Arbeit erledigt war und pro Reihe ein Draht über
den Boden gespannt war, konnte es mit der eigentlichen Pflanzung losgehen.
Der Draht diente hierbei als Orientierung, damit die Reben später
alle schön ordentlich in einer Reihe stehen.
Die Pflanzlöcher wurden mit einem Erdbohrer im Einmannbetrieb
unter viel Schweiß vorbereitet, um der Rebe, zusammen mit etwas
Pflanzerde ein neues Zuhause zu geben.
Knapp zwei Wochen
lang waren wir mit 5 Personen beschäftigt um 650 Stickel und
3600 Reben in die Erde zu bringen. Da freut man sich abends auf den
Liegestuhl im Garten und ein schönes Glas Riesling-Sekt!
[April 2007]
4. Drähte
spannen und Triebe aufbinden
Etwa drei Wochen nach der Pflanzung hatten fast alle jungen Reben
ihre ersten Blätter entfaltet. Dann ging die Entwicklung rapide
weiter.
Da die Reben nicht nur einen, sondern gleich mehrere Triebe ausbilden,
müssen wir schon frühzeitig eingreifen. Nur der stärkste
Trieb soll erhalten bleiben, so dass die Rebe möglichst schnell
in die Höhe wächst. Auch Seitentriebe, sogenannte "Geiztriebe",
können wir somit natürlich nicht gebrauchen; sie werden
ebenfalls entfernt ("ausgebrochen"). Je häufiger man
diese Arbeit macht, desto besser, da die Rebe so am wenigsten Energie
verschwendet und die entstehenden Wunden klein bleiben.
Schon bald sind die
jungen Triebe zu lang, um ohne Unterstützung gerade zu stehen.
Es ist jetzt Zeit sie aufzubinden. Dies geschieht mit einer Heftzange,
die ein dünnes Plastikband spendet, womit der Trieb an einem
dünnen Stahlstab fixiert wird. (Foto oben links).
Aber auch dieser Stab, der den Rebstamm später stützen soll,
ist schnell zu kurz und so müssen wir auch direkt die restlichen
Drähte spannen um später die langen Triebe daran befestigen
zu können. Pro Rebzeile werden insgesamt fünf Drähte
benötigt, die per Hand eingezogen werden (Foto oben rechts).
Das ergibt auf die Gesamtfläche dieses Weinbergs gut 20 Kilometer
Draht!
[Juni 2007]
5.
Wachstum fördern
Jetzt liegt es vor allem am Wetter, wie sich die Reben entwickeln.
2007 haben wir optimale Bedingungen! Es ist nicht zu heiß und
von Zeit zu Zeit haben wir ergiebige Regenschauer. Die jungen Pflanzen
müssen so keinen Durst leiden und wachsen schnell in die Höhe.
Unterstützt wird dies von uns, indem wir der "spontane Wildflora"
(man könnte es auch Unkraut nennen) zu Leibe rücken. Vor
allem in direkter Nachbarschaft der Reben ist der Einsatz der Hacke
gefragt um die hartnäckige Wasser-Konkurenz fern zu halten.

Ein toller Blick auf den Halenberg
mit der neuen Parzelle im Hintergrund
Die Hauptfeinde der
jungen Reben sind jedoch Hasen und Rehe, die sich von Zeit zu Zeit
in unsere Weinberge verirren und eine besondere Vorliebe für
die Triebspitzen der schwachen Pflänzchen haben. Dagegen hilft
nach unseren Erfahrungen am besten die Vergrämung. Wir spritzen
einmal pro Woche mit der Rückenspritze einen organischen Blattdünger,
der wenige Tage nachdem er mit Wasser angesetzt wurde zu verwesen
beginnt und wirklich "tierisch" stinkt. Wir schlagen somit
zwei Fliegen mit einer Klatsche: Die Rebe bekommt zusätzliche
Nährstoffe, die sie über das Blatt aufnimmt und die Hasen
und Rehe bleiben ihr fern. 100% natürlich und sehr effektiv!
Auch dieses Jahr funktioniert dieses System bestens. Die jungen Triebe
unserer Pflanzen haben bereits zu 95% eine Höhe von 1,50m, teils
sogar von über zwei Meter erreicht.
[August 2007]
6. Winterruhe
Wenn an dieser Stelle seit August nichts mehr zu lesen ist, dann liegt
das nicht etwa daran, dass wir schreibfaul geworden sind, sondern
vielmehr daran, dass wir seit dem unser Jungfeld in Ruhe gelassen
haben. Lediglich etwas Stroh haben wir im September eingebracht, um
die Gefahr der Erosion bei einem heftigen Niederschlag zu bannen.
Die jungen Reben haben nun, bei optimalen Wetterbedingungen, Längen
von meist deutlich über 2 Meter erreicht und sind somit in bester
Verfassung, um die Winterruhe anzutreten.
[November 2007]
7. Rebschnitt
Bevor die Reben wieder austreiben, ist es wichtig sie zurück
zu schneiden. Bei älteren Reben wird dabei in der Regel über
90 Prozent des Holzes aus dem Vorjahr entfernt. Im ersten Standjahr
fällt dieser Rückschnitt meist nicht ganz so extrem aus,
da es nur einen einzigen Trieb aus dem Vorjahr gibt. Ist die Rebe
stark genug, sollte sie höchstens auf Stammhöhe eingekürzt
werden. War der Wuchs dagegen eher kümmerlich, wird radikal auf
ein bis zwei Augen (Knospen) zurück geschnitten.
In unserem Fall sind die jungen Reben sehr kräftig gewachsen,
so dass wir sogar schon einen kleinen Bogen anschneiden. Das bedeutet,
wir kürzen die Rebe auf etwa 1,60m ein und biegen sie danach
über den oberen Biegedraht, um sie dann am unteren Biegedraht
zu befestigen. Jetzt ist es aber wichtig, dass schon bald nach dem
Austrieb (April/Mai) die Triebzahl stark reduziert wird. Ansonsten
würden wir den jungen Rebstock überlasten und dauerhaft
schwächen.
[Februar 2008]
8. Bodenbearbeitung
und Ausbrechen
Lange bevor die Reben wieder austreiben, schießt wie immer das
Unkraut in die Höhe. Höchste Zeit für eine Bodenbearbeitung.
Dazu benutzen wir jetzt einen leichten Grubber, der mittels Seilwinde
nach oben gezogen wird; nach unten wird er manuell gezogen. Bei der
Bergfahrt sitzt eine Person auf dem Grubber und lenkt diesen, während
die zweite Person die Seilwinde am Traktor bedient. Zwischen den Rebstöcken
muss das Unkraut allerdings per Hand oder Hacke entfernt werden.
Kurz nach dem Austrieb,
wenn die Triebe etwa fünf bis zehn Zentimeter lang sind, ist
ein guter Zeitpunkt für das erste Ausbrechen. So bezeichnen wir
das Entfernen von überflüssigen Trieben am Stamm und an
der Bogrebe. Wir belassen hier maximal sechs gut positionierte Triebe
pro Stock. Nur so können wir gewährleisten, dass die verbleibenden
Triebe auch kräftig genug werden um die ersten Trauben, die wir
hoffentlich schon dieses Jahr ernten können, ernähren zu
können.
[April/Mai 2008]
9. Laubarbeiten
Trotz des relativ trockenen Sommers wachsen die Reben auch dieses
Jahr recht gut. Lediglich bei einigen schwächeren Stöcken
müssen wir die Triebzahl noch einmal reduzieren und die Trauben
entfernen. Die kräftigeren hingegen dürfen ihre Trauben
zum größten Teil behalten. Wir können somit 2008 schon
mit einer kleinen Ernte rechnen, die wir dann auch im Keller separat
ausbauen wollen.
Je länger die Triebe werden, desto mehr Unterstützung brauchen
sie durch den Drahtrahmen. Der Riesling kann sich an diesem mit seinen
kräftigen Ranken schon sehr gut festhalten, aber nur, wenn der
Trieb schon vorher aufrecht gewachsen ist. Hier müssen wir also
unterstützend eingreifen, indem wir die Triebe zwischen den Heft-
und Rankdrähten fixieren. Wir sprechen hier vom "Heften".
Schon bald wird die Laubwand so hoch, dass wir sie mit der Heckenschere
oder der Sichel zurecht stutzen müssen. Dieser Laubschnitt verhindert
das Abbrechen der Triebe und fördert die Durchlüftung der
Traubenzone, was wiederum der Gesundheit der Trauben zu gute kommt.
[Juni/Juli 2008]

Anfang Oktober setzt die Herbstverfärbung
ein
10. Weinlese
Endlich ist es soweit - die Trauben sind reif! Größtenteils
blieben sie kleinbeerig und sind daher sehr gesund. Goldgelb strahlen
Sie uns aus der Laubwand entgegen. Hier und da findet sich auch etwas
Botrytis, die sogenannte Edelfäule. Sie führt dazu, dass
die Beerenschale dünn wird und somit das Wasser in der Beere
leicht verdunsten kann. Übrig bleiben hauptsächlich Zucker,
Säuren und ein sehr konzentriertes Aroma.
Am 22. Oktober können wir die ersten Trauben aus unserem Projekt
2007 ernten. Mit Qualität und Menge sind wir hoch zufrieden.
Auf jeden Fall werden wir den Most separat ausbauen, um bei der Jungweinprobe
im nächsten Frühjahr schon mal ein Gefühl für
die Eigenarten des neuen Weinbergs zu bekommen. Nicht auszuschließen,
dass es letzten Endes auch eine separate Füllung geben wird.
Warten wir's ab.
[Oktober 2008]
Nachwort
Gut zwei Jahre sind vergangen, seit
der Forstmulcher Platz für diesen einzigartigen Weinberg gemacht
hat. Die Zeit verging wie im Flug. Immer wieder verlangte der neue
Weinberg nach besonderen Pflegemaßnahmen, deren Ablauf natürlich
nicht zu sehr von den bestehenden Ertragsanlagen ablenken durfte.
Die wichtigsten Schritte konnten Sie seit dem auf dieser Seite verfolgen.
Von nun an, werden wir unsere "junge Lay", wie wir den Weinberg
intern nennen, mehr oder weniger wie alle anderen steilen Weinberge
behandelt, mit dem Unterschied, dass wir in den ersten Jahren noch
mehr darauf achten müssen, dass die Reben nicht durch zu hohe
Erträge überlastet werden. Alte Reben hingegen regeln das
fast von allein.
Fast unbemerkt haben wir dieses Jahr aber schon wieder ein neues Projekt
begonnen. Unser Projekt 2008 besteht in der Rekultivierung von rund
1,2 Hektar Weinbergsland, das ebenfalls teilweise über dreißig
Jahr ungenutzt blieb.
Die beiden neuen Riesling-Weinberge entstanden direkt über dem
Halenberg. Mit 40 bis 50% Steigung sind diese für unsere Begriffe
zwar noch nicht extrem steil, aber dennoch erhoffen wir uns hier in
ein paar Jahren konstant hohe Qualitäten, die wunderbar zu unserem
"Mineral" Riesling passen könnten. Wir werden unser
Bestes tun, damit Sie sich schon bald selbst davon überzeugen
können.
[Frank Schönleber]

Die neuen Weinberge: weiß:
2007, rot: 2008